Amara will das ändern: Das Berliner AgeTech-Unternehmen hat mit seinen Gründern Philipp Hartz und Richard Hector in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,7 Millionen Euro eingesammelt. An der Runde beteiligen sich Econa, Caesar VC und IBB Ventures. Nach Einschätzung des Unternehmens dürfte die Finanzierung zu den bislang größten öffentlich bekannten Pre-Seed-Runden im europäischen AgeTech-Sektor zählen.
Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen seine Technologie weiterentwickeln und sich für die nächsten Wachstumsschritte aufstellen. Langfristig wollen die Gründer ein digitales Ökosystem schaffen, das weit über ein einzelnes Produkt hinausgeht und Senioren in ihrem Alltag unterstützt.
Für viele ältere Menschen ist digitale Teilhabe heute mit unnötigen Hürden verbunden. Gleichzeitig wächst für viele Familien die Herausforderung, über räumliche Distanz hinweg im Alltag verbunden zu bleiben. Allein in Deutschland sind ca. 6 Millionen Menschen über 80 Jahre alt, viele von ihnen leben schon deutlich früher allein.
Amara setzt deshalb auf einen anderen Ansatz: Nicht ältere Menschen sollen lernen, wie Technologie funktioniert. Technologie soll sich an den Menschen anpassen. Die Technologie ist von Grund auf sprachbasiert. Nutzerinnen und Nutzer können per Stimme auf Nachrichten, Spiele, Quizze und Gespräche zugreifen und mit den Menschen in Kontakt bleiben, die ihnen wichtig sind, ohne komplizierte Bedienung oder technische Unterstützung durch Angehörige.
„Ältere Menschen scheitern nicht an Technologie. Technologie scheitert oft an ihnen“, sagt Richard Hector. „Wir wollen Technologie so gestalten, dass sie auf den Menschen zugeht und nicht umgekehrt. Deshalb haben wir Amara auch von Beginn an gemeinsam mit älteren Menschen entwickelt.“
KI im Hintergrund, Menschen im Mittelpunkt
Künstliche Intelligenz arbeitet bei Amara im Hintergrund. Sie macht die Technologie per Sprache zugänglich, unterstützt dabei, den Alltag abwechslungsreich zu gestalten und ermöglicht neue Formen der Interaktion. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch nicht die Beziehung zur Maschine, sondern die Verbindung zu anderen Menschen.
Amara verzichtet bewusst auf einen Überwachungsansatz: Es gibt keine Dashboards oder Berichte darüber, wie jemand seinen Alltag verbringt. Ältere Menschen bleiben selbstbestimmte Nutzerinnen und Nutzer und entscheiden selbst, wann und wie sie mit Familie, Freunden und ihrer Umwelt interagieren.
Tech-Know-how für mehr Teilhabe
Nach mehr als 20 Jahren als Gründer, Unternehmer und Investoren in der europäischen Technologieszene haben Philipp Hartz und Richard Hector zahlreiche Unternehmen aufgebaut und auf ihrem Wachstumskurs begleitet. Mit Amara setzen sie ihre Erfahrung nun für eine Aufgabe ein, die für sie persönlich weit über Technologie hinausgeht. Der Anstoß dazu kam aus der eigenen Familie.
„Als meine Großmutter nach einem Besuch sagte: ‚Jetzt werde ich wieder einsam sein‘, wurde mir klar, dass es ihr nicht nur um Einsamkeit ging. Es ging darum, nicht mehr selbst Teil unseres Alltags sein zu können“, erzählt Philipp Hartz. „Älterwerden ist kein Problem, das gelöst werden muss. Aber niemand sollte das Gefühl haben, vom eigenen Leben oder den Menschen, die einem wichtig sind, abgeschnitten zu sein. Wir wollen Technologie nutzen, um Selbstständigkeit zu stärken und Nähe zu ermöglichen.“
Technische Erweiterungen 2027 geplant
Neben Kommunikation und digitaler Teilhabe will Amara künftig auch mehr Sicherheit im Alltag ermöglichen. Dafür plant das Unternehmen zum Jahreswechsel die Erweiterung von Amara Home um einen Hausnotruf und ein Alarmarmband.

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